Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung
Hier können Sie sich über folgende Themen informieren:
- Gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung
- Private Berufsunfähigkeitsversicherung
- Wann ist leistet die private Berufsunfähigkeitsversicherung?
- Wann einsteigen?
- Kosten
- Besteuerung
- Absicherung im Todesfall
- Unfallversicherung als Alternative?
- Worauf Sie achten sollten
Gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung
Menschen, die ab 1962 geboren sind bekommen keine Berufsunfähigkeitsrente vom Staat. Eine Erwerbsminderungsrente erhält jedoch nur, wer keinerlei Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, unabhängig von der Zumutbarkeit. Dabei wird ebenfalls zwischen voller und halber Rente unterschieden. Die volle Rente wird dann ausgezahlt, wenn jemand keine drei Stunden mehr arbeiten kann.
Private Berufsunfähigkeitsversicherung
Die Wichtigkeit einer Berufsunfähigkietsversicherung wird leider noch immer unterschätzt. Konsens besteht im Allgemeinen darüber, dass es nicht ohne eine Hausratsversicherung geht oder dass man für das Alter unbedingt privat vorsorgen sollte. Doch dass auch eine Berufsunfähigkeitsversicherungspolice nicht fehlen sollte, ist leider noch nicht selbstverständlich.
Jeder Vierte wird berufsunfähig. Jeder ab 1962 Geborene hat keinen gesetzlichen Schutz. Daher sollten sich alle Personen, die auf ihre Arbeitskraft angewiesen sind und keine anderen Einkünfte haben, gegen die Folgen der Berufsunfähigkeit absichern.
Wann ist leistet die private Berufsunfähigkeitsversicherung?
Sie leistet, wenn Sie länger als sechs Monate lang nicht in der Lage sind, Ihren Beruf zu 50 Prozent auszuüben. Die Höhe der in diesem Fall gezahlten Rente können Sie selbst im Vorfeld festlegen. Es gibt jedoch auch hier eine Grenze nach oben.
Je jünger der Antragsteller ist, desto besser sind seine Aufnahmechancen, desto größer ist für ihn die Auswahl zwischen den Angeboten, desto mehr Möglichkeiten hat er bei der Gestaltung seiner Versicherung und desto geringer sind seine Beiträge.
Analog haben ältere Menschen erhöhte Beiträge zu zahlen, bei Krankheit kommt eventuell kein Vertrag zustande, die Laufzeit wird verkürzt oder die Rente fällt geringer aus. Allerdings müssen Sie sich damit nicht geschlagen geben. Suchen Sie im Falle ungünstiger Bedingungen oder Ablehnung weiter! Manche Anbieter machen Ausnahmen oder haben lockerere Kriterien als ihre Konkurrenten.
Die Kosten sind abhängig von der Rentenhöhe, dem Alter des Antragstellers, der Gefahrenklasse (auch Risikogruppe) seines Berufes und der Vertragsdauer.
Eine monatliche Ratenzahlung ist möglich, aber teurer als die jährliche Beitragszahlung. Wenn der Hinterbliebenenschutz ausgeklammert wird, spart man ebenfalls. Auch an der Laufzeit kann man sparen, wenn es sinnvoll ist. Der Todesfallsschutz ist übrigens bei Männern kostspieliger, weil bis zum Eintritt ins Rentenalter mehr Männer sterben, als Frauen. Sie werden jedoch eher Berufsunfähig als Männer, sodass der reine Berufsunfähigkeitsschutz für Frauen teurer ist.
Teile der Beiträge legen die Versicherer am Kapitalmarkt an. Daraus gewonnene Überschüsse kommen den Versicherten zu Gute. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten, an Überschüssen beteiligt zu werden.
Die staatliche Berufsunfähigkeitsrente wird steuerlich wie die staatliche Altersrente behandelt. Wie viel besteuert wird, hängt vom Jahr der ersten Zahlung ab. Fand diese 2005 stand, muss der Versicherte dauerhaft 50 Prozent versteuern. Dieser Prozentsatz erhöht sich jedes Jahr um 2 Prozent, sodass 2040 dann 100 Prozent versteuert werden müssen.
Private Renten sind davon nicht betroffen. Hierbei wird nur der Ertragsanteil besteuert.
Wenn Sie einen Todesfallschutz integrieren möchten, wird die Berufsunfähigkeitsversicherung häufig mit einer Risikolebensversicherung kombiniert. Im Falle der Berufsunfähigkeit wird Ihnen dann die BU-Rente gezahlt, sterben Sie, werden Ihre Angehörigen abgesichert.
Eine zusätzliche Leistung ist natürlich mit erhöhten Kosten verbunden. So ist eine reine Berufsunfähigkeitsversicherung fast immer günstiger und insbesondere für Singles sinnvoll, weil sie niemanden versorgen müssen.
Unfallversicherung als Alternative?
Sie ist keine Alternative. Bis zum Eintritt ins Rentenalter ist die Berufsunfähgkeitsversicherung immer sinnvoller als Unfallversicherung, weil die Ursachen einer Berufsunfähigkeit eher Krankheiten als Unfälle sind. Die Unfallversicherung zahlt jedoch nur im Falle einer Invalidität infolge eines Unfalls.
Abstrakte Verweisung
Verträge mit abstrakter Verweisung sollten Sie umgehen. Mit abstrakter Verweisungsklausel kann es Ihnen im Falle einer Berufsunfähigkeit passieren, dass Sie keine Leistung erhalten, wenn es Ihnen noch möglich ist, in einem anderen Beruf zu arbeiten – unabhängig davon, ob es zumutbar ist, oder nicht.
Letzter Beruf als Maßstab
Sie sollten darauf achten, dass der zuletzt ausgeübte Beruf als Maßstab angesetzt wird. Im Laufe ihres Berufslebens verbessern sich die meisten Arbeitnehmer. Sie werden befördert, erhalten eine Gehaltserhöhung oder wechseln in einen besseren Job. Achten Sie also darauf, um nicht benachteiligt zu werden.
Laufzeit
Je kürzer die Laufzeit, desto günstiger (bspw. bis zum 60. Lebensjahr). Schließen Sie aber nur dann mit kurzer Laufzeit ab, wenn Sie bereits etwas angespart hat, was die Lücke bis zum Rentenalter füllen kann. Junge Menschen sollten daher keine Verträge mit verkürzter Laufzeit abschließen.
Gesundheitsfragen
Gesundheitsfragen müssen immer korrekt beantwortet werden. Beantworten Sie diese nicht wahrheitsgemäß, so kann dies erste Konsequenzen für Ihren Versicherungsschutz haben.
So fragt der Anbieter im Antrag bspw. nach der ambulanten Versorgung der letzten fünf Jahre und nach der stationären der letzten zehn Jahre. Manche Anbieter verlangen jedoch auch weiterreichende Informationen. Positiv wäre für Sie ebenfalls, wenn Sie im Antrag nur Krankheiten angeben müssen, die ärztlich behandelt wurden.
Wenn Sie angenommen sind und im Laufe der Jahre Ihre Rente erhöhen wollen, kann es sein, dass Ihr Versicherer eine Gesundheitsprüfung durchführt. Erkundigen Sie sich also besser vor Abschluss ob und in welchem Maße Gesundheitsprüfungen für diesen Fall vorgesehen sind.
Bei Ablehnung
Insbesondere dann, wenn Sie gesundheitliche Probleme haben, sollten Sie mehrere „Bewerbungen schreiben“. Je mehr Anträge Sie einreichen, desto besser stehen Ihre Chancen auf eine zeitnahe Annahme – denn wie bereits beschrieben, sind die Aufnahmekriterien nicht überall gleich streng.
Wenn Sie Ablehnungen erhalten und bei weiteren Bestrebungen um eine Police auf die Frage nach einer bisherigen Ablehnung (bzw. Annahme nur unter erschwerten Bedingungen) stoßen, beantworten Sie diese wahrheitsgemäß. Denn die Versicherer haben Zugriff auf eine Datei, in welcher abgelehnte Bewerber gespeichert werden. Somit werden sie ohnehin früher oder später ersehen, ob Sie die Wahrheit gesagt haben oder nicht.
Zu schnell berufsunfähig
Erkundigen Sie sich, welche Regelungen bzgl. Kündigung, Rücktritt bzw. Vertragsanpassung existieren und was bei dem jeweiligen Versicherer vorgesehen ist, wenn Sie innerhalb weniger Jahre nach Abschluss berufsunfähig werden.
Rückwirkende Zahlung
Da der Leistungsfall immer erst geprüft wird, kann es dazu kommen, dass erst nach einiger Zeit die Berufsunfähigkeit anerkannt wird und die Rente gezahlt wird. Damit Sie für die „Wartezeit“ entschädigt werden, sollte eine rückwirkende Zahlung erfolgen. Achten Sie also darauf, ob und wie weit rückwirkend gezahlt wird. Das kann bis zum Beginn der Berufsunfähigkeit, bis zu drei Jahren oder kürzer sein.
Arztanordnungsklausel
Problematisch ist die Arztanordnungsklausel. Hier müssen Sie exakt das tun, was Ihnen vom Arzt geraten bzw. angeordnet wird, um Ihren Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Wenn Sie die Wahl haben möchten, welche Maßnahmen Sie zur Behandlung ergreifen wollen und welche nicht, sollten Sie keine Versicherung wählen, die unter ihren Ausschlussklauseln die Arztanordnungsklausel hat.
Dienstunfähigkeitsversicherung / Dienstunfähigkeitsklausel
Beamte sollten darauf achten, dass ihr Vertrag eine Dienstunfähigkeitsklausel enthält. Dabei gibt es eine „echte“, eine „unvollständige“ und eine „unechte“ DU-Klausel. Mit der Echten erhalten Sie für den Fall, dass Sie Ihr Dienstherr in den Ruhestand entlässt bzw. versetzt – ungeachtet des Grundes –, die entsprechende monatliche Rente. Die Unvollständige hingegen schützt nur Beamte auf Lebenszeit oder bezieht sich nur auf den Gesundheitszustand des Beamten. Bei der Unechten wird wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung bemessen. Daher ist sie für Beamte nutzlos.
Berufsunfähigkeitsversicherung
Gibt es auch staatliche Unterstützung im Falle der Berufsunfähigkeit?
Wenn ich vor 1961 geboren bin, was zahlt mir der Staat?
Leistet die private Berufsunfähigkeitsversicherung auch erst, wenn man weniger als 6 Stunden arbeiten kann?
